logo 2013 11 19 standard

So. , 25. Jun. 2017



Gedenkstein erinnert an couragierten Einsatz im Jahr 1945

Menschen mutig vor Krieg bewahrt

2017 05 18 gedenkstein spiekerFür die 18 Schüler des Joseph-Haydn-Gymnasiums und ihren Geschichtslehrer Achim Lüken war es ein schwieriges Unterfangen, die Ereignisse des Karfreitag 1945 zu rekonstruieren. „Wir konnten mit keinem Direktbeteiligten mehr sprechen“, räumt Lüken ein. Felsenfest steht aber eines: „Es gab einige mutige Personen, die an diesem Tag ein Blutvergießen in Ottmarsbocholt verhindert haben. In anderen Orten hat es beim Einmarsch der Alliierten Tote gegeben. Auch in Senden sind in den letzten Kriegstagen Menschen völlig sinnlos gestorben“, hob Bürgermeister Sebastian Täger am Dienstag am Spieker hervor. Dort übergab er offiziell einen Gedenkstein, der an die friedliche Übergabe Ottmarsbocholts an die Amerikaner am 30. März 1945 erinnert.

    Weiterlesen...   

  • Gast - evar

    Kommentar zum Zeitungsbericht "Menschen mutig vor dem Krieg bewahrt" vom Donnerstag, 18. Mai 2017 in den WN auf der Lokalseite für Senden.

    Mit einem Ottmarsbocholter Bekannten bin ich einig, und inzwischen werden es mehr, dass der Text auf der Gedenktafel so nicht stimmt. Es sei nie die Rede davon gewesen, dass einige Frauen den bei Böllings-Busch auf der Lüdinghauser Straße in Wartestellung liegenden amerikanischen Panzern entgegengegangen seien.

    Das Kriegsende in Ottmarsbocholt auf Karfreitag, 30. März 1945, war auch hier sehr gefährlich. Verzweifelte letzte Truppenverbände und auch auswärtige Volkssturmmänner verlangten von den Bürgern, die schon ein weißes Bettlaken als Zeichen der kampflosen Übergabe gehisst hatten, dass diese wieder eingeholt werden sollten. Ansonsten würde man mit einer Panzerfaust das Haus in Brand schießen oder gar die Personen wegen "Wehrkraftzersetzung" erschießen oder erhängen. In den letzten Kriegswochen sind vor der anrückenden Front von eigenen fanatischen und noch an die sogenannten "Wunderwaffen" glaubenden Offizieren und Volkssturmmännern einige tausend mutige Bürger, die in Verhandlungen mit den anrückenden Armeen treten und einen sinnlosen Kampf verhindern wollten, erschossen oder erhängt worden. (Siehe im Internet "maenner von brettheim".) Aus meinen Recherchen habe ich gehört, dass besonders ein Volkssturmmann aus Nordkirchen am 30. März 1945 noch fünf Personen erschießen oder erschießen lassen wollte.

    In dem Geschichtsheftchen des Heimatvereins Nr. 1 vom Mai 1985 haben wir aus der Pfarrchronik der Kirchengemeinde St. Urban, angelegt vom damaligen Pfarrer Schleppinghoff, der immerhin am 8. April 1945 von den Amerikanern zum Bürgermeister ernannt wurde, folgendes zitiert : "Gegen 10 Uhr abends standen die Amerikaner vor dem Dorfe, zögerten aber noch mit dem Einmarsch. Ein englisch sprechender Evakuierter (Hammer) und ein Einheimischer (Wilhelm Kasberg) haben sich mit dem Kommandanten verständigt und versichert, dass das Dorf nicht verteidigt würde. Gegen 1/2 2 Uhr nachts rollten unaufhörlich die schweren Panzer durch die Straßen. Kein Schuss fiel, kein Lärmen und Schreien." Vor über 30 Jahren, 40 Jahre nach Kriegsende, als noch viele Ottmarsbocholter Bürger lebten, die dieses miterlebt hatten, ist diesem Text nicht widersprochen worden. Personen, die das Kriegsende noch miterlebt haben oder es geschichtlich aufarbeiten, können sich vorstellen, dass, je weiter die amerikanischen oder englischen Truppen ohne Kampfhandlungen in die Dörfer und Städte vordrangen, desto mehr Menschen wieder aus den Schutzkellern auf die Straße kamen.

    Der jetzige Heimatvereinsvorsitzende Stefan Frie schrieb ca. 2010 in dem von ihm recherchierten und geschriebenem Buch "Ich die Eiche", im Internet unter Heimatverein Ottmarsbocholt / Projekte / Ich die Eiche zu finden, über den Einzug "In der Nacht zum 1. April, (richtig 31. März), gegen 1.30 Uhr -Karsamstag- rollen alliierte Verbände in das Dorf. Vorab war dem Kommandanten durch Wilhelm Kasberg mitgeteilt worden, dass das Dorf nicht verteidigt werde. So kam es auch zu keinerlei Kampfhandlungen, lediglich zwei flüchtende deutsche Soldaten wurden durch Schüsse verletzt." Ganz so stimmt es nicht. Dort wo die zwei deutschen Soldaten verletzt wurden sind zumindest auch drei deutsche Soldaten "gefallen" - erschossen worden. Haben diese Männer evtl. fünf Minuten vor dem Ende des Krieges in unserer Heimat blind fanatischen Befehlen gehorchen wollen und an "Wunderwaffen" und den "Endsieg" geglaubt und sind dabei zum "Kanonenfutter" geworden ? Oder haben führergläubige Offiziere sie bis zu Letzt zur sinnlosen Gegenwehr getrieben? Ihre Gräber werden zum Andenken an sie und zur Mahnung an nachfolgende Generationen von der Gemeinde auf unserem Friedhof gepflegt.

    Als nun im Herbst 2014 dem Bezirksausschuss Ottmarsbocholt vorgeschlagen wurde, im neuen Baugebiet an der Nordkirchener Straße eine Straße zur Erinnerung an das Ende der Schreckensherrschaft der NSDAP und ihres Führers Adolf Hitler und an das mutige Geschehen der Herren Kasberg und Hammer nach diesen zu benennen, verwies der Ausschuss die Angelegenheit an den Heimatverein, dieser hatte weitere Vorschläge, u. a. Fine Bergedieck, 40 Jahre Hebamme in Ottmarsbocholt, und den alten Flurnamen "Sudendorp" = südlich des Dorfes. Letzterer wurde mehrheitlich akzeptiert.

    Nach Absprachen zwischen der Gemeindeverwaltung, dem Heimatverein und dem Joseph-Haydn-Gymnasium wurde das Thema "Kriegsende in unserer Region" und dann im besonderen der Einmarsch der alliierten Truppen in Ottmarsbocholt und wer den Amerikanern als Parlamentäre entgegen gegangen ist im Geschichtskurs der Abiturienten im Jan./Febr. 2016 aufgearbeitet. Stefan Frie als Heimatvereinsvorsitzender hatte Herrn Lüken einige Zeitzeugen mit Adressen benannt, die befragt werden sollten. Die Schüler und Schülerinnen setzten sich ein und wurden von den Angesprochenen wohlwollend aufgenommen und informiert. Aus der Zusammenfassung ihrer Gespräche verfasste die Gruppe eine Empfehlung mit folgendem Text für eine Gedenktafel : "Am Karfreitag des Jahres 1945 gingen mutige Frauen und Männer aus Ottmarsbocholt mit Wilhelm Kasberg und Erich Hammer an der Spitze den vorrückenden amerikanischen Truppen entgegen. Mit ihrem couragierten Verhalten sorgten sie dafür, dass es in Ottmarsbocholt zu keinen Kampfhandlungen kam und der Ort und seine Bewohner verschont blieben."
    Warum nun in dem Text auf der Gedenktafel die Namen "Kasberg und Hammer" nicht genannt wurden, dass wissen vermutlich nur Heimatvereins-Vorstandsmitglieder und Bezirksausschussmitglieder.

    Ganz soviel Courage, wie sie die Männer am Karfreitag 1945 aufbringen mussten wäre jetzt gar nicht notwendig gewesen um die Namen auf der Gedenktafel zu nennen.

Kommentar hinzufügen