logo 2013 11 19 standard

Mo. , 28. Nov. 2022



24.10.2015

Bürgermeister Alfred Holz blickt auf 15 Jahre Amtszeit zurück:

„Ich habe es zu keinem Zeitpunkt bereut“

2015 10 24 alfred holz gNach 15 Jahren im Amt des Bürgermeisters hat sich der Ottmarsbocholter Alfred Holz aus dem Sendener Rathaus verabschiedet. Im Interview mit Siggi Syffus (WN) ließ er die Zeit auf dem Chefsessel der Gemeindeverwaltung und gleichzeitig als Repräsentant der Bürgerschaft noch einmal Revue passieren.

Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, würden Sie sich der Aufgabe erneut stellen?

Alfred Holz: Ja, ohne Vorbehalt. Natürlich habe ich im Jahre 1998, als ich nach einer möglichen Kandidatur befragt wurde, zunächst alle Vor- und Nachteile – soweit mir das möglich war – abgewogen, welche die neue Funktion des Bürgermeisters betreffen. Zurückblickend kann ich aber sagen, ich habe es zu keinem Zeitpunkt bereut, mich in den Jahren 1999, 2004 und 2009 um dieses Amt zu bewerben. Gern nehme ich heute auch die Gelegenheit wahr, mich bei allen Bürgerinnen und Bürgern, die mir an den Wahltagen das Vertrauen geschenkt haben, zu bedanken.

Was hat Sie rückblickend während Ihrer Amtszeit am meisten berührt?

Alfred Holz: Nach den Kommunalwahlen im Jahre 2009 wurde Heribert Schulenkorf erneut in seinem Amt als stellvertretender Bürgermeister durch den Gemeinderat einstimmig bestätigt. Nur wenige Wochen später nach seinem Amtsantritt verstarb Heribert Schulenkorf. Gemeinsam mit den damaligen weiteren Stellvertretern Rolf Schwietring und Hildegard Kläver hatten wir uns vorgenommen, die gute und langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit weiter fortzusetzen. Der Tod von Heribert Schulenkorf hat mich persönlich tief getroffen, aber auch aufgezeigt, dass alles menschliche Eifern und alle Planungen wertlos sind, wenn uns derartige Schicksalsschläge treffen.

Sie haben sich doch sicherlich auch über so manches geärgert. . .

Alfred Holz: Natürlich hat es während meiner Amtszeiten auch Enttäuschungen gegeben, die auch teils zur Verärgerung führten. Bereits zu Beginn, in den ersten Jahren meiner Amtszeit, hat mich geärgert, dass die Planungen zur weiteren baulichen Entwicklung in Bösensell (Stichwort Baugebiet Sporksfeld) nur gegen große Widerstände durchgesetzt werden konnten. Aber nur durch diese bauliche Entwicklung und den folgenden Bevölkerungszuwachs ist es zum Beispiel möglich gewesen, den Bestand der Grundschule Bösensell und auch der Tageseinrichtung mittel- und langfristig zu sichern. Eine weitere Enttäuschung war die Entscheidung der Landesregierung, die geplante Ortsumgehung für den Ortsteil Ottmarsbocholt aus der sogenannten Priorität 1 zu streichen. Dieses hat zur Folge, dass wir heute nicht mehr mit einer kurz- oder mittelfristigen Realisierung dieses Projektes rechnen können, und dieses, obwohl das Land NRW und die Gemeinde in die vorangetriebenen Planungen bereits viel Zeit und auch finanzielle Mittel investiert haben.

Gibt es Projekte und Themen, die Sie noch gerne über Ihre Amtszeit hinaus abschließen würden?

Alfred Holz: Wie die Arbeit in jedem Unternehmen ist auch die kommunale Arbeit vor Ort ein fortlaufender Entwicklungsprozess, in dem sich immer neue Aufgaben ergeben. Es gilt, sich neuen Entwicklungen anzupassen und Strukturen zu schaffen. Wichtige Handlungsfelder werden in Zukunft natürlich die Umsetzung des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) sein, die weiteren baulichen Entwicklungen, insbesondere in den Ortsteilen Bösensell und Senden, aber auch die Umsetzung der Maßnahmen im Zuge der Regionale 2016 stellen Herausforderungen dar. Ich bin mir aber sicher, dass mein Nachfolger, Gemeinderat und die Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung alle anstehenden Projekte und Themen zu einem guten Abschluss bringen werden.

Sie hinterlassen ein wohl bestelltes Haus, aber wird es nicht dennoch für Ihren Nachfolger schwieriger, die Geschicke Sendens zu lenken?

Alfred Holz: Ja, Sie haben Recht, die Flüchtlingssituation bindet auch hier vor Ort viele Kräfte. Und ohne die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer wäre diese Aufgabe schon jetzt nicht mehr zu bewältigen. Es wird zunehmend schwieriger, das dezentrale Unterbringungskonzept weiter fortzusetzen. Auch wird mittelfristig die Schaffung zusätzlichen Wohnraums erforderlich sein. Im Übrigen ist es meine Beobachtung, dass gerade in den letzten Jahren die zunehmende Flut an Rechtsvorschriften und Dokumentationserfordernissen die Arbeit nicht einfacher, sondern schwieriger macht. Auch weitere Benachteiligungen des ländlichen Raumes im Rahmen des Finanzausgleichs sind nicht auszuschließen. Aber solchen Entwicklungen mussten wir uns auch in der Vergangenheit stellen und deshalb bin ich mir sicher, dass mein Nachfolger die Aufgaben gut bewältigen wird.

Die Bürde des Alltags fällt von den Schultern, was machen Sie jetzt im Ruhe-stand und in der Freizeit?

Alfred Holz: Worauf ich mich freue, ist, dass ich zukünftig die Termine in meinem Kalender weitestgehend selbst bestimmen kann, sind einem als Bürgermeister doch viele Dinge vorgegeben. Einige Ehrenämter, die ich in der Vergangenheit ausgeübt habe, werde ich auch in Zukunft wahrnehmen, so zum Beispiel den Vorsitz im Deutschen Roten Kreuz. Nach Absprache mit der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung werde ich dort im kommenden Jahr als nebenamtlicher Dozent wieder tätig sein; eine Tätigkeit, die ich dort auch bis einschließlich 1999 ausgeübt habe. Weiterhin werde ich die Freizeit aber auch nutzen, um mich mehr als das bisher möglich war, meiner Familie zu widmen und auch einige sportliche Aktivitäten anzugehen.

Welchem Leitbild als Chef sind Sie selbst gefolgt?

Alfred Holz: Als Chef, also nicht nur als Bürgermeister, nimmt man eine Vorbildfunktion wahr. Mein Grundsatz war es immer, von meinen Kolleginnen und Kollegen auch nur das zu verlangen, was ich mir selbst zumuten würde. Nur die Art und Weise wie ich selbst Aufgaben angehe, kann Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter motivieren, dieses ebenso zu tun. Weiterhin ist es unerlässlich, miteinander zu kommunizieren und Meinungen auszutauschen. Bezogen auf den Gemeindehaushalt habe ich immer die Leitlinie verfolgt, mit den finanziellen Mitteln der Gemeinde so umzugehen, wie es ein wirtschaftlich denkender Unternehmer oder ich als Privatperson tun würde.

Wie haben Sie die Arbeit mit dem Team der Sendener Verwaltung empfunden?

Alfred Holz: Über 34 Jahre habe ich diesem Team angehört. Ganz egal ob als junger Oberinspektor, als Amtsleiter oder zuletzt als Bürgermeister. Ich habe mich im Kreis der Kolleginnen und Kollegen immer wohl gefühlt. Natürlich, muss man sich, wie in der Familie, einem Unternehmen, einem Verein, auch immer den Gegebenheiten anpassen, ohne aber die eigene Meinung aufzugeben oder Positionen in Frage zu stellen. Gut gelebte Kollegialität ist wichtig für die innere Einstellung zur Arbeit. Und ich kann nur sagen, ich bin in all den Jahren immer gern ins Rathaus gekommen, um meine Aufgaben wahrzunehmen.

Gibt es eine Entscheidung oder Amtshandlung, die Sie rückblickend nicht so getroffen hätten?

Alfred Holz: Natürlich gibt es in Einzelfällen Entscheidungen, die man aus heutiger Sicht so nicht getroffen hätte. Ich glaube aber abschließend richtigerweise feststellen zu können, dass die maßgeblichen Entscheidungen, welche als Rahmenbedingungen für die Entwicklung Sendens prägend waren und sind, richtig angegangen wurden. Diese Entscheidungen sind maßgeblich durch die Kolleginnen und Kollegen der Gemeindeverwaltung vorbereitet, und anschließend dann vom zuständigen Ausschuss oder dem Gemeinderat in der weit überwiegenden Anzahl der Fälle auch einstimmig getroffen worden. Dafür bedanke ich mich bei allen, die daran mitgewirkt haben ausdrücklich.

 

Interwiev + Fotos: Siggi Syffus/Westfälische Nachrichten