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04.04.2015

Ergebnisse recherchieren, Tabellen erstellen - das ist die Welt des 45-jährigen Michael Diepenbrock

Der Hüter der Zahlen

2015-04-04 michael-diepenbrock kEr liebt Zahlen. Er mag Fußball. Und er hat einen Verein gefunden, in dem er beides perfekt ausleben kann. Michael Diepenbrock ist eines der führenden Mitglieder im Deutschen Sportclub für Fußball-Statistiken. Mit ungefähr 400 Gleichgesinnten in Deutschland widmet sich der Ottmarsbocholter mit Herzblut der möglichst lückenlosen Erfassung von Fußballstatistiken. „Es geht um Zahlen, Zahlen, Zahlen", sagt Diepenbrock. Sein Hobby sei „eine Sammelleidenschaft". Dafür opfert der zweifaehe Familienvater jede Nacht gerne auch ein Stündchen Schlaf.

 

Sonntags schläft Michael Diepenbrock aus. An den anderen sechs Tagen der Woche stellt er den Wecker auf 5 Uhr, sitzt eine Viertelstunde später mit einem frischen Kaffee am Schreibtisch und klappt seinen Laptop auf. Bis seine Frau und seine beiden Töchter aufstehen, hat er eine gute Stunde Zeit. Bis dahin durchforstet er das Internet nach Fußball-Ergebnissen und Aufstellungen und trägt die Zahlen und Namen fein säuberlich in Excel-Tabellen ein. Er macht das ganz freiwillig. Was andere, auch eingefleischte Fußballfans, eher eine Strafarbeit wäre, ist für Diepenbrock ein großer Spaß. Es ist sein Hobby, für das er frühmorgens gerne ein Stündchen Schlaf opfert. „Ich habe mich ja immerhin schon dazu durchgerungen, am Sonntag länger im Bett zu bleiben", beschwichtigt der Ottmarsbocholter.

Vor fünf Jahren ist Diepenbrock durch eine Anzeige im Fachmagazin „Kicker" zufällig auf einen Verein aufmerksam geworden, in dem er seine Liebe zu Zahlen und Daten perfekt ausleben kann. Seil 2010 isl er Mitglied im Deutschen Sportclub für Fußball-Statistiken (DSFS). Die knapp 400 Mitglieder sammeln Ergebnisse, Aufstellungen und Tabellen. Sie publizieren die gesammelten Werke in Büchern und archivieren die Datensammlungen im Netz - alles unentgeltlich. Weil es ihnen Freude macht.

,Mike" Diepenbrock, wie ihn seine Vereinskollegen nennen, kennt die fragenden Blicke, wenn er von seinem Hobby erzählt. „Das ist etwas verrückt, ich weiß. Ich habe einen Spleen für Zahlen", gesteht der 45-Jährige. Ein weltfremder Freak, der sich nur in seinen Statistiken verkriecht, ist der zweifache Familienvater ganz sicher nicht. Ganz im Gegenteil: Der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann, der im Vertrieb mit dem Schwerpunkt Vertriebs-Controlling arbeitet, steht mitten im Leben. „Man muss sich das ein bisschen wie Briefmarkensammeln vorstellen", sagt er über seine extravagante Freizeitbeschäftigung. „Das ist eine Sammelleidenschaft."

Für jede Saison bringt der DSFS einen „Deutschen Fußball Almanach" für die ersten sechs Ligen und parallel ein Nachschlagewerk für einzelne Regionen heraus. Im „Fußball im Westen" sind Ergebnisse und Tabellen bis runter zur Kreisliga A, vom Frauen- und Juniorenfußball sowie von Kreispokalspielen zusammengefasst. Jede Veröffentlichung enthält rund 25000 Ergebnisse. Hinzu kommen historische Chroniken. Einzelne Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit dem internationalen Fußball. Diepenbrocks Spezialgebiet: Belgien, die Niederlande und Luxemburg.

Die Publikationen mit einem Umfang von ungefähr 350 bis 500 Seiten sind schwere Kost. Lauter Ziffern, keine Fotos. „Es geht auch nur um Zahlen, Zahlen, Zahlen", sagt Diepenbrock, der seit 2012 Leiter der Region West im DSFS ist. Die Werke sind keine Verkaufsschlager. Sie werden laut Diepenbrock lediglich kostendeckend vertrieben. Für die Autoren springt ein Freiexemplar heraus, mehr nicht.
Die Suche der Daten läuft über das Internet, über Tageszeitungen oder in schwierigen Fällen über andere Statistik-Liebhaber. Diepenbrock kümmert sich vornehmlich um die Oberliga Westfalen. Er muss die Spielergebnisse zusammentragen, die Zuschauerzahlen und die Kader mit allen eingesetzten Spielern und allen statistischen Details. Zu seinen Spezialgebieten gehören außerdem der Kreispokal in ganz Westfalen und Teile der Frauenfußball-Ligen. Von dem jüngsten „Fußball im Westen" hat er knapp 40 Seiten selbst verfasst, für die anderen rund 300 hat er das Layout erstellt.

Der Gladbach-Fan interessiert sich für Fußball, ein Fußballverrückter ist er aber nicht. In der Jugend hat er mal gekickt und später bei den Altherren, heute tritt er gar nicht mehr vor den Ball. Sein Fußball-Konsum im Fernsehen ist auch überschaubar. Seit vergangenem Sommer spielt er Badminton beim SC Blau-Weiß Ottmarsbocholt in der untersten Liga. Seine große Leidenschaft sind die Recherche und das Zusammentragen der Fußballergebnisse und Spielerdaten. Im Schnitt ungefähr 15 Stunden pro Woche sitzt er dafür an seinem Laptop. Nur im Urlaub macht er eine Pause. „Dann lege ich den Kram mal weg", sagt Michael Diepenbrock. Leicht fällt ihm das nicht. „Dann juckt's auch ganz schnell wieder in den Fingern."

 

Bericht: Westfälische Nachrichten/Ralf Aumüller
Foto: WN/Marco Steinbrenner