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Mi. , 07. Jun. 2023



Lebhafte Debatte ums Baugebiet

Bis zu 320 neue Wohneinheiten in Ottmarsbocholt

2023 05 05 hoersken012023 05 05 hoersken02Bürgermeister Sebastian Täger erläuterte zum Auftakt der „Entwurfswerkstatt“ am Mittwochabend den 80 Teilnehmern den Stand des Verfahrens. Noch handele es sich um erste Vorentwürfe. Doch schon vor dem Start des formellen Verfahrens wolle man die Bürgerschaft einbeziehen und Anregungen aufnehmen. Diese konnten nach Vorstellung der ersten Konzepte an drei Themenständen eingebracht werden.

Östlich des Holzfeldes und nördlich des Davertweges soll eine 8,5 Hektar große Fläche als Baugebiet überplant werden. Denkbar wären bis zu 170 Wohneinheiten in Einfamilienhäusern - in Doppel- und Reihenhäusern - sowie 150 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. „Das ist der maximale Ansatz“, sagte Claudia Bonmann von der beauftragten Ingenieurgesellschaft für Verkehrswesen. Bei potenziell 900 zusätzlichen Einwohnern und einer neuen Kita sei in den Verkehrsspitzen morgens (7.15 bis 8.15 Uhr) und nachmittags (16.30 bis 17.30 Uhr) mit etwas mehr als 100 zusätzlichen Fahrten pro Stunde am Knotenpunkt Clemens-Hagemann-Straße/Davertweg und um rund 60 an der Einmündung Feldmark zu rechnen.

Für Feldmark und Davertweg ergäbe sich eine Gesamtbelastung, die deutlich unter der in Richtlinien für Wohnstraßen angemessenen Verkehrsstärke von bis zu 400 pro Stunde liege. Und sowohl die Clemens-Hagemann-Straße als auch die Kirchstraße lägen immer noch unter der für Sammelstraßen angemessenen Verkehrsstärke von 400 bis 800 Fahrzeugen in der Stunde.

Die Planerin nannte daraufhin vier denkbare Varianten zur Erschließung des Gebietes:

Variante 1: Nutzung des bestehenden Straßennetzes. Der Wirtschaftsweg Broholt könnte – leicht ertüchtigt und entschärft – als Anbindung zur Venner Straße und zum Kappenberger Damm nach Münster dienen – das ist mit 40 Prozent aller Fahrten das Hauptziel.

Variante 2: Neue Direktanbindung an die Venner Straße östlich am Sportgelände vorbei und keine Anbindung an den Weg Broholt.

Variante 3: Anbindung zum Kreisverkehr Ascheberger Straße. Dazu könnte ein bestehender Fuß- und Radweg ausgebaut werden. Zusätzlich eine Anbindung an den Weg Broholt.

Variante 4: Eine Kombination aus 2 und 3 ohne Anbindung an den Weg Broholt.

„Wir empfehlen Variante 1. Sie ist schnell realisierbar, kostengünstig und verursacht den kleinsten Eingriff in die Natur“, nannte die Planerin ihr Fazit. Damit erntete sie Widerspruch. „Schon jetzt ist es auf der Clemens-Hagemann-Straße oft zu eng, etwa durch parkende Autos an der Einmündung Kirchstraße“ – so oder so ähnlich lauteten Einwände von Bürgern im Saal, die auch später in der Entwurfswerkstatt zum Thema Verkehr deutlich wurden. Mehrfach wurde eine neue direkte Anbindung an die Venner Straße wie in Variante 2 gefordert.

Auch in den beiden anderen Werkstätten „Bauen, Wohnen und Nachbarschaft“ sowie „Freiraum, Klima und Umwelt“ spielte der Verkehr oft eine Rolle. Gelobt oder gefordert wurden zudem etwa eine zentrale neue Kita, viele Grünflächen in den ersten Entwürfen für die Bebauung, die Möglichkeit, auch kleinere Wohnungen zu bauen oder Service-Wohnangebote zu schaffen. Einigkeit schien darüber zu bestehen, das Baugebiet nicht „in einem Rutsch“, sondern in mehreren Abschnitten zu erschließen.

Moderator Thomas Scholle vom Büro plan-lokal bat zum Abschluss einige Akteure um ein Fazit. Der Bürgermeister dankte den Beteiligten für die konstruktive Mitarbeit und versprach, die Anregungen in den weiteren Prozess einfließen zu lassen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir gute Lösungen finden“, sagte der Bezirksausschussvorsitzende Patrick Alfs (CDU). Als Ziele nannte er einen „geregelten Zuzug“, neben Mehrfamilien- auch Einfamilienhäuser zu ermöglichen und den dörflichen Charakter zu erhalten. Zu den Richtlinien für Verkehrsmengen sagte das Ratsmitglied: „Was für Berlin gilt, muss nicht im Allgäu oder in Ottmarsbocholt gelten. Wir werden unseren politischen Spielraum nutzen.“

 Bericht + Fotos:  Westfälische Nachrichten/Thomas Fromme