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Mi. , 01. Dez. 2021



Adolf Eickholt erinnert sich

Beeindruckende Begegnung mit dem „Löwen von Münster"

2021 03 24 adolf eickholt kDie Zeitungslektüre, sie gehört für Adolf Eickholt zum täglichen Ritual. Neben den WN interessiert ihn auch das wöchentliche „Kirchenblatt". Oft habe er da jetzt etwas über Kardinal Clemens August von Galen lesen können anlässlich dessen 75. Todestag am 22. März. Und dabei seien Erinnerungen wach geworden an ganz besondere Begegnungen mit dem „Löwen von Münster“. Als Messdiener hatte Eickholt der Symbolfigur des kirchlichen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus in Gottesdiensten in Walstedde einige Male zur Seite gestanden.

Adolf Eickholt kann in Kürze auf 93 Lebensjahre zurückblicken, seit 1956 hat er diese infolge Heirat in 0ttmarsbocholt verbracht. Aufgewachsen ist er indes in Walstedde - und dort war er schon früh Messdiener. Doch es war nicht nur der dortige Pfarrer, dem er den Kelch mit Wein reichte und wo er bei der Wandlung die Schelle schüttelte. Es müsse so 1938/39 gewesen sein, als der Bischof von Münster nach Walstedde gekommen sei und sich dort für zehn Tage im Pastorat einquartierte, um von hier aus in allen Gemeinden des Dekanats das Sakrament der Firmung zu spenden. „Unser Pastor war zugleich Dechant, deshalb wohnte er hier", erzählt Eickholt.

Bevor von Galen in zwei-, manchmal sogar vierspännigen Kutschen von den einzelnen Gemeinden abgeholt wurde, feierte er in der Walstedder Kirche um 7Uhr in der Frühe immer erst eine „stille Messe". Ganz für sich alleine - aber mit zwei Messdienern. Einer davon „durfte ich sein". Zehn, elf Jahre sei er damals gewesen. Der Weg zur Kirche war nicht weit, denn der elterliche Hof lag direkt am Dorfrand. Messdiener mussten zu damaliger Zeit die ganzen Messgebete auswendig können - auf lateinisch wohlgemerkt. „Das erste Gebet, was am Anfang dran war, kann ich heute noch", sagt Adolf Eickholt nicht ohne Stolz. Offensichtlich hat man damals junge Burschen ausgesucht, von denen man wusste, dass sie die Messgebete besonders gut konnten.

Die Begegnung mit Bischof von Galen (die Kardinals-Ernennung erfolgte erst 1946, wenige Wochen vor seinem Tod) hat bei Adolf Eickholt einen tiefen Eindruck hinterlassen. „Da hat man ihn richtig erlebt“. Die große und kräftige Statur hat diesen Eindruck noch verstärkt.

„Wenn der hier durchgehen würde, müsste er den Kopf einziehen", verweist er im WN-Gespräch auf die Zimmertür. Eickholt hatte noch neun Brüder „und alle sind Messdiener geworden". Fünf von ihnen haben dann den Krieg nicht überlebt, er selbst ist zum Kriegsende noch für fünf Monate in amerikanische Gefangenschaft gekommen, die ihm sehr zusetzte. „Da habe ich 50 Pfund verloren“.

Quelle: Westfälische Nachrichten / Ulrich Reismann