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Di. , 29. Sept. 2020



Landesbetrieb und Kreis besiegeln Planungsvereinbarung

Neustart für die Ortsumgehung

2020 09 11 ortsumgehungDer Schwerlastverkehr war schwer laut – und entpuppte sich als kurzer Corso historischer Ackerschlepper. Dass die wummernden Lanz und Co. nicht typisch für die Situation auf der Dorfstraße sind, war auch Landesverkehrsminister Hendrik Wüst klar, dessen laufendes Fernsehinterview schalltechnisch durch die Agrar-Oldtimer überlagert wurde. Der Düsseldorfer Ressortchef war am Freitag bei einem Termin zu Gast, der als Startschuss für die Ortsumgehung Ottmarsbocholt gewertet werden kann – und auch soll, wie Roland Wieging vom Ortsvorstand der CDU Ottmarsbocholt mit Blick auf das Timing des Termins bestätigte.

Um noch zwei Tage vor der Kommunalwahl zu zeigen, dass es die örtliche CDU Ernst meint mit ihrer politischen Entscheidung für das Straßenbauprojekt, das alle anderen Parteien im Rat ablehnen.

Eingeladen hatte aber nicht die CDU, sondern der Landesbetrieb Straßen.NRW zur Unterzeichnung einer Planungsvereinbarung zwischen dem Land und dem Kreis Coesfeld. Dieser wird, um das Planungstempo zu erhöhen, nach den Vorgaben des Landesbetriebs die erforderliche Umweltverträglichkeitsprüfung und das Verkehrsgutachten erstellen. Die Vorarbeiten in Coesfeld reichen so weit, dass dem Landesbetrieb auch die möglichen Varianten bei der Trassenführung vorgeschlagen werden. Die Linienfindung und weitere Schritte bis zum Planfeststellungsbeschluss liegen in der Hand der Regionalniederlassung des Landesbetriebs. Eine Aufgabenteilung, die noch „ungewöhnlich“ ist, wie der Verkehrsminister vor der Presse am Spieker erklärte. Allerdings auch eine Kooperation, der Vorbildfunktion zukomme. Wüst hob seine Einschätzung hervor, dass der Kreis diese Aufgabe bewältigen werde: „Da kann man das.“

Das Düsseldorfer Regierungsmitglied stellte den Ottmarsbocholtern eine erhebliche Entlastung in Aussicht: „Autos raus – mehr Lebensqualität und Sicherheit rein“, lautete seine Formel.

Wie hoch die Verkehrsbelastung derzeit ist, darüber liegen den Planern jedoch keine aktuellen Zahlen vor. Über zehn Jahre alte Erhebungen ergaben gut 7000 Fahrzeuge täglich auf der Dorfstraße. Dass sich dieser Wert erhöht und der Verkehrsmix verändert habe, stellte Bürgermeister Sebastian Täger als Gast der Vertragsunterzeichnung heraus. Zu dieser Entwicklung habe der Autobahnanschluss in Amelsbüren und der dortige Hansa-Business-Park beigetragen. Ebenso wie die Tatsache, dass Laster, die die inzwischen mautpflichtigen Bundesstraßen meiden, durch Otti-Botti rollen.

Die Ortsumgehung ermögliche unterdessen positive Entwicklungen im Dorfkern, unterstrich Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr. Trotz aller Notwendigkeit und Bereitschaft, in ökologische Mobilität zu investieren, bleibe die Straße eine zentrale Infrastruktur – zumal im ländlichen Raum eines Flächenkreises.

Daran, dass die Ortsumgehung in Asphalt gegossen wird, sei nicht mehr zu rütteln. Die Entscheidung für das Straßenprojekt ist bereits gefallen, da es seit 2004 unter den Vorhaben mit höchster Priorität im Landesstraßenbedarfsplan stehe, erläuterte Bernd Epmann, Projektleiter bei Straßen.NRW und Teil der Behörden-Delegation, gegenüber unserer Zeitung.

Bürgermeister Täger, der ebenfalls auf die gewandelte Verkehrssituation rund um Ottmarsbocholt hinwies, räumte ein, dass es auch kritische Stimmen zur Ortsumgehung gebe. Nach seinem Eindruck bestehe die Skepsis vieler Bürger aber darin, dass sie nicht glauben, dass die Entlastungsstraße wirklich kommt.

Bericht+Foto: Dietrich Harhues / WN