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Di. , 29. Sept. 2020



Bittere Corona-Pille:

Karneval in Otti-Botti fällt 2021 aus

2020 08 21 karneval coronaAlle Jahre wieder lassen sich die Ottmarsbocholter und viele Tausend Gäste gerne vom Karnevalsvirus anstecken. 2021 gibt jedoch ein anderes Virus den Ton an: Corona macht sowohl den feierlustigen Jecken als auch den Gastronomen einen dicken Strich durch die Rechnung.

„Bei einem Treffen aller Karnevalsecken am Mittwochabend haben wir uns einvernehmlich dazu entschlossen, den Karneval abzusagen“, erklärt Janis Lordieck auf WN-Anfrage. Man sei sich einig gewesen, dass es unter den gegebenen Hygienevorschriften „nicht verantwortungsbewusst“ und auch gar nicht möglich sei, die Veranstaltungen „durchzuziehen“, sagt der Vorsitzende der Ottmarsbocholter Karnevalsgesellen, in deren Hand die Organisation der Großveranstaltungen liegt. Das sind der große Karnevalsumzugs, die Prinzenproklamation und der Pyjamaball. Außerdem gebe es deutliche Signale der Bundespolitik, Karnevalsveranstaltungen generell zu verbieten, so Lordieck.

Selbst dann, wenn die Hygienevorschriften Anfang nächsten Jahres kurzfristig gelockert würden, könnte der Karneval in Otti-Botti nicht in altbewährter Weise durchgeführt werden. Denn die Karnevalsgesellen und die sieben Karnevalsecken (Nachbarschaften) brauchen mehre Monate Zeit für die aufwendigen Vorbereitungen. Mit dem Bau der prachtvollen Wagen beginnen die Männer bereits Ende September/Anfang Oktober. Parallel zu ihrer Arbeit schneidern die Frauen die Kostüme für den großen Umzug.

Eine bittere Pille ist die Absage auch für die drei durch Corona ohnehin schon gebeutelten Gaststätten Vollmer, Lindfeld und Kallwey. Ihnen fehlen in der einnahmenschwachen Wintersaison jeweils mehrere Tausend Euro in der Kasse. Es entfallen die Umsätze, die normalerweise beim Umzug am Karnevalssonntag, am Samstag des Eiersammelns, beim Pyjamaball, bei der Prinzenproklamation und bei den sieben Eckenfesten generiert werden.

Gleichwohl wird die von den Karnevalisten getroffene Absage auch von den Ottmarsbocholter Gastronomen mitgetragen: „Es ist eine wichtige und richtige Entscheidung. Und es ist gut, dass sie jetzt schon gefällt wurde“, betont Thomas Lindfeld. „Wir müssten für die Einhaltung der Hygienevorschriften sorgen, dass die Mindestabstände eingehalten werden und die Leute Mundschutztragen. Wie soll das gehen?“, fragt der Gastronom. Wichtig ist ihm, die gesicherte Absage jetzt schon zu haben. Denn: „Auch für uns laufen die Vorbereitung auf Karneval schon im September/Oktober an. Wir müssen rechtzeitig ein Zelt bestellen und brauchen für das Aufstellen eine Bauabnahme. Das muss schon frühzeitig geschehen“, nennt der Gastronom Beispiele für langfristige zu organisierende Vorbereitungen.

Gleichwohl bleibt für die Ottmarsbocholter Karnevalisten ein dünner Silberstreif am Horizont: „Wenn es unter Einhaltung der geltenden Corona-Vorschriften möglich sein sollte, könnte eigenverantwortlich in den Ecken etwas gemacht werden“, hofft Lordieck, dass die gemeinschaftsfördernde Wirkung des Karnevals nicht ganz der Corona-Pandemie zum Opfer fällt.

Bericht: WN / Siggi Syffus