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Mi. , 19. Jun. 2019



Feldmark-Nachbarschaft pflegt seit 40 Jahren Marienkapelle am Dillenweg

Glaube blüht in Blumen auf

2018 12 28 marienkapelle1 kVor etwas mehr als 40 Jahren, am 12. September 1978, wurde ein besonderes Ottmarsbocholter Kulturgut eingeweiht: die Marienkapelle des Heimatvereins am Dillenweg. Sie ist ein öffentliches Zeugnis für mehrerlei Dinge: für tief verwurzelten Glauben, für den hohen Wert von Freiwilligkeit und Eigeninitiative und für eine gute Nachbarschaft. Eingefasst von zwei hohen Linden und flankiert von sieben Davertfindlingen bietet die kleine Kapelle einen Ort für Stille und Gebet. Wanderer und Radtouristen können die beiden Holzbänke für eine gemütliche Rast nutzen.

Dass das gesamte Drumherum stets einen einladenden Eindruck macht, dafür sorgen nicht etwa hauptamtliche Kräfte, sondern es ist die liebevolle Hege durch drei Familien von der angrenzenden Feldmark. Wenn es in all den Jahren nie an frischen Blumen gemangelt hat, wenn für die Gottesmutter mit dem Jesuskind immer eine Kerze brannte, wenn die Grünanlage immer schön gepflegt war und wenn die fortwährende Verdreckung durch Hundekot immer wieder aufs Neue beseitigt wurde, dann waren immer die Familien Schilling, Schülting und Vorspohl am Werk gewesen.

Dem gebührt hohe Anerkennung, betonen der Vorsitzende des Heimatvereins, Werner Welslau, und dessen Vorgänger Stefan Frie. „Während andere fragen, was der Staat für sie tun kann, lautet euer beispielhafter Leitgedanke: Was können wir für die Gesellschaft tun?“, danken die beiden den drei Familien. Aus der Riege der Heimatvereinsvorsitzenden ist auch Bernhard Hutters unbedingt zu nennen. Ihm war die Kapelle in seiner 24-jahrigen Amtszeit immer lieb und teuer gewesen. Überdies hielt Hutters immer engen Kontakt zu der Nachbarschaft der Feldmark.

Die Geschichte des Bauwerks hat nicht erst vor 40 Jahren begonnen. Vielmehr reicht sie zurück bis 1830. Errichtet wurde sie ursprünglich auf einer zum heutigen Hof Niebert (vormals Domhöver) in der Oberbauerschaft gehörenden Fläche entlang eines von Schulkindern genutzten Weges. Nach der Schließung der Bauerschaftsschule 1964 wurde das nicht mehr benötigte Pättken später im Zuge eines Flurbereinigungsverfahrens beseitigt - mit der Folge, dass die Kapelle nun einsam und ohne jede verkehrliche Anbindung inmitten einer grünen Kuhwiese stand.
Dort zogen mit der Zeit recht dunkle Wolken auf, weil über allem das Damoklesschwert des Verfalls oder des Abrisses schwebte. Bei des empfand Bauer Franz Niebert als zu schade und ging auf den Heimatverein zu. Und der nahm sich 1978 des Kapellchens gerne an, weil in der Vergangenheit schon mehrere Bildstöcke verfallen waren.

An dem bei Spaziergängern beliebten Weg vom Sportplatz in Richtung der damaligen Ottmarsbocholter Vogelstange wurde eine neue, öffentlichkeitswirksame Bleibe geschaffen. Dies wurde nicht zuletzt durch die bereitwillige Unterstützung des Grundstückseigentümers Filip Graf Sternberg, ermöglicht. Früher soll sieh an dieser Stelle mal eine Galgenkuhle, also eine Hinrichtungsstatte, befunden haben. Die mühevolle Zerlegung und der anschließende Wiederaufbau der Kapelle waren mit einer grundlegenden und ehrenamtlichen Sanierung durch fleißige Helfer des Heimatvereins verbunden.

Auf der Niebertsehen Flur war eine Herz-Jesu-Figur der Kern des sakralen Denkmals gewesen, sie zerbrach jedoch aus nicht überlieferten Gründen. „Da es sich nur um eine Gipsstatue handelte, lohnte eine Restaurierung nicht“, heißt es in alten Aufzeichnungen. Ersatz kam in Form einer eichenen Statue der Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm, entstanden in der Werkstatt eines Davensberger Bildhauers.


Anschlag auf Kapelle: "Die Maria brennt"

2018 12 28 marienkapelle2 kZum Spiegel der Gesellschaft gehören auch Frevel und Vandalismus. Solch gewissenlosen Taten ist auch die Kapelle am Dillenweg ausgesetzt gewesen. Als beschämender Höhepunkt gilt der Brandanschlag vom 23. August 1990. Seitdem hat auch Ottmarsbocholt seine „Schwarze Madonna“. Was im polnischen Tschenstechau als Ikone verehrt wird, ist aus Sicht des hiesigen Heimatvereins dagegen eine Schande. Die verkohlte Marienstatue wird seitdem als Mahnmal im Spieker aufbewahrt. Der nach dem Vorbild des Originals von demselben Bildhauer geschnitzten Ersatzreliquie erteilte der damalige Pfarrer Norbert Brockhinke im Mai 1991 den Segen.

Zuvor waren umfangreiche Renovierungsarbeiten an der Kapelle notwendig gewesen, an denen die Feldmark-Anlieger Heinrich Volle, Franz-Josef Vorspohl und Benno Schülting beteiligt waren. So musste der Dachstuhl erneuert werden, ebenso der Putz im Innenraum. Verwüstet wurde auch die Inneneinrichtung. Dass bei dem Feuer nicht die komplette Kapelle in Schutt und Asche gelegt wurde, ist dem entschlossenen Handeln von Anwohnern zu verdanken, die sich geistesgegenwärtig Eimer schnappten, diese in einem Gartenteich mit Wasser füllten und damit schnurstracks übers Feld zur Brandstelle rannten. Kinder hatten das Feuer als erste entdeckt. „Die Maria brennt" riefen sie aufgeregt.

Des Weiteren gab es neben diversen Farbschmierereien auch einen Einbruch zu beklagen. „Zunächst wurden die Dachpfannen abgenommen, anschließend die Vertäfelung heruntergetreten“, weiß Benno Schülting zu berichten.

Der oder die Täter hatten es auf die beiden Messingleuchter in Barockform abgesehen. Der Schaden konnte auch hier dank großherziger Stifter behoben werden.

 

Quelle: Westfälische Nachrichten vom 28.12.2018 / Ulrich Reismann

Ausbildung in Ottmarsbocholt