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24.12.2013

Modellbauer Otto Siemann verwandelt Wintergarten in Krippenlandschaft mit heimatlichem Flair

15 Sterne leuchten über Bethlehem

2012-12-24-otto-siemann-kWenn Otto Siemann abends in seinem Fernsehsessel sitzt, dann kann er sich kaum auf die bewegten Bilder konzentrieren. Immer wieder wandert sein Blick zum großen Fenster, welches sein Wohnzimmer mit dem Wintergarten verbindet. Und dort bleibt er hängen bei einer nicht minder bewegten Szenerie, die so manches Mal viel schöner und reizvoller ist als das, was das Fernsehen zu bieten hat.

Jedes Jahr in der Adventszeit verwandelt Otto Siemann diesen Wintergarten in eine begehbare Mischung aus Krippen- und Modelllandschaft. In liebevoller Kleinarbeit sind im Laufe der vergangenen Jahrzehnte rund um die klassische Krippe mit Windmühle, alter Schule, Spieker und Backhaus bekannte Ottmarsbocholter „Wahrzeichen“ eingezogen. Vom kleinsten Pflasterstein bis hin zur obersten Dachschindel, von der ersten Skizze bis zur letzten Lackschicht - Otto Siemanns kleine Kunstwerke entstehen zunächst in seinem Kopf und anschließend in vielen Wochen Arbeit in seinem Keller. ,,Ich fange meist schon im Januar an, mir zu überlegen, was ich für das nächste Jahr bauen möchte", berichtet der umtriebige Modellbauer.
Pünktlich zum ersten Adventssonntag erwacht die ganze Landschaft im Wintergarten dann zum Leben.

,,Meine Tochter Christa hat mir beim Aufbau geholfen", berichtet Otto Siemann voller Dankbarkeit, denn bis alle Lämpchen leuchten, alle Motoren surren und jede Figur an ihrem Platz steht, ist mehr Fingerspitzenarbeit und körperlicher Einsatz gefordert, als er mit seinen 81 Jahren bewältigen könnte. Zum ersten Mal kann Otto Siemann diesmal den Stolz und die Freude nach dem Aufbau nicht mit seiner Frau Agnes teilen, die im vergangenen Jahr gestorben ist. ,,Es ist eine schwere Zeit für mich", sagt er leise und lässt anklingen, dass die Arbeit an der Krippe ihm sehr dabei geholfen hat, mit dem Verlust umzugehen.

Seit vielen Jahren finden Gruppen, Vereine oder Familien in der Weihnachtszeit den Weg ins Siemannsche Wohnzimmer, um zu sehen, welches Element diesmal dazu gekommen ist. In diesem Jahr müssen die Betrachter den Blick nach oben schweifen lassen, verrät Otto Siemann. Über dem bunten Ensemble aus Gebäuden und Figuren prangt erstmalig ein Sternenhimmel aus 15 großen Sternen, deren Bau es in sich hatte: ,,Jeder Stern besteht aus drei Lagen mit je fünf Zacken aus Furnier, nicht einmal einen halben Millimeter dick", berichtet der frühere Tischler. Die Mitten der Sterne ziert ein Muster aus hauchfeinen Kiefernholz-Hobelspänen, die sich wie Honigwaben zusammenfügen. ,,Alles, jede Zacke und jeder Hobelspan, ist einzeln verleimt. Und jede Leimstelle musste ich zehn Minuten festhalten. damit nichts verrutscht", lässt Siemann erahnen, welcher zeitliche Aufwand hinter jedem Stern steckt.

Stammgästen in Otto Siemanns Winterlandschaft wird vielleicht noch ein kleines Novum auffallen: Ein historischer Milchwagen, detailgetreu dem Wagen nachempfunden. mit dem sein Schwager Josef Höning mit seiner Frau Johanna früher in Ottmarsbocholt die Milch rundgefahren hat, hat Einzug gehalten. ,,Ich habe den beiden diesen Wagen zu ihrer goldenen Hochzeit gebaut. Mittlerweile lebt mein Schwager nicht mehr, und so habe ich den Milchwagen in die Krippenlandschaft aufgenommen."

Otto Siemanns Augen leuchten, wenn er von den Besuchen der Kindergartengruppen erzählt, die jedes Jahr zu ihm kommen: ,,Den Kindern entgeht nichts, sie entdecken so viele kleine Details. Und sie sind ganz vorsichtig, wenn sie auf dem kleinen Pfad durch die Landschaft gehen."

Wer Otto Siemanns ganz besondere Krippe sehen möchte, ist dem Ottmarsbocholter willkommen. Bis Anfang Februar ist die Krippe noch aufgebaut. Otto Siemann bittet um telefonische Anmeldung unter der Rufnummer 0 25 98 / 597.

Bericht und Fotos: Sandra Molitor / Westfälische Nachrichten